TV-Programm ORF2 10.12.

   
   Was läuft beim TV Sender ORF2

Was läuft im TV-Programm von ORF2 am 10.12.?

Das ORF2 Fernsehprogramm bei uns immer aktuell von der HÖRZU-Redaktion.

Vormittag
 
02:35 kulturMontag
Infosendung ~65 Min
Am 10. Dezember soll Peter Handke mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet werden. Seit der Entscheidung der Schwedischen Akademie gehen die Wogen hoch, entzweit der österreichische Schriftsteller doch die literarische Welt. Es ist eine nicht enden wollende Kontroverse um Handkes Sympathien mit Serbien und dessen damaligen Präsidenten Sloboan Miloševic entbrannt. Während auf der einen Seite u. a. die Opferorganisation ''Mütter von Srebrenica'' zu Protestaktionen aufruft, verurteilen Autorenkollegen die mediale Hetzjagd. In einem offenen Schreiben an das Nobelpreis-Komitee hat die ''Gesellschaft für bedrohte Völker'' eine Entschuldigung von Peter Handke gefordert. Für sie sei der Österreicher ein Genozid-Leugner und Apologet von Kriegsverbrechern, der die Opfer verhöhne. Seit seiner legendären ''Publikumsbeschimpfung'' im Jahr 1966 hat Peter Handke das Rollenbild des kontroversen Außenseiters immer wieder bedient. Als eines der reichsten und eigensinnigsten der deutschen Sprache wird sein Werk seit mehr als 50 Jahren gefeiert. Wie sein Landsmann Thomas Bernhard ist er ein Schriftsteller, für den Widerstand nicht nur eine politische Haltung bedeutet, sondern eine künstlerische Notwendigkeit. 1942 in Kärnten unweit der slowenischen Grenze geboren, wurde er durch seine Familiengeschichte stark geprägt. Die Mutter gehörte der Minderheit der Kärntner Slowenen an, der Großvater plädierte bei der Volksabstimmung 1920 dezidiert für den Verbleib Südkärntens bei Jugoslawien. Ab 1986 setzte sich Handke literarisch verstärkt mit Jugoslawien auseinander. In seinem Roman ''Die Wiederholung'' erzählt er die Geschichte seiner beiden im Krieg gefallenen Onkel. Mit der ''winterlichen Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien'' löste Peter Handke international heftige Kontroversen aus, kritisiert er darin doch die Berichterstattung der westlichen Medien über den Zerfall des ehemaligen Jugoslawiens. Die pro-serbische Haltung manifestiert sich in dem umstrittensten Auftritt des Schriftstellers, als er demonstrativ am Begräbnis des serbischen Ex-Präsidenten Milosevic teilnimmt, dem vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal der Prozess gemacht worden war. Obwohl Handke von Beginn an keinen Zweifel an dem Srebrenica-Massaker hegte, wurde ihm genau dies vorgeworfen. Handke - ein wahnhafter ''Blut-und-Boden''- Dichter, eine persona non grata, der den Literaturnobelpreis nicht verdiene oder ein Popstar, Poet und Provokateur, eine literarische Instanz, der die höchste Auszeichnung schon zehnmal verdient hätte, wie Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek versichert? Lässt sich der literarische Handke unabhängig vom politischen bewerten? Mit einer aktuellen Reportage meldet sich der ''kulturMontag'' einen Tag vor der feierlichen Zeremonie aus Stockholm und bringt die jüngsten Äußerungen des Dichters bei offiziellen Terminen vor Ort. Wie die Stimmung kurz vor der Verleihung in der schwedischen Hauptstadt ist und ob schon im Vorfeld Demonstrationen stattfinden, berichtet Literatur-Ressort-Leiterin Katja Gasser live aus Schwedens Hauptstadt In einer Chronologie der Ereignisse werden die ersten Jubelmeldungen nach der Bekanntgabe, die letzten massiven Angriffe, die jüngsten absurden Blüten rund um Handkes Staatsbürgerschaft bis zu den Solidaritätsbekundungen von Kulturschaffenden zusammengefasst. Ob das Poetische über dem Politischen stehen darf, analysieren Autoren wie Daniel Kehlmann, Salman Rushdie oder Maya Haderlap im Interview. Ein historischer Abriss über den Zerfall des Vielvölkerstaates zeigt die politischen, wirtschaftlichen wie ethnischen Hintergründe im Jugoslawien-Krieg auf und beleuchtet die Zusammenhänge mit Handkes Texten. Über Kunst & Moral, Werk & Wirken, Poesie & Politik diskutieren live im Studio Germanist und Literaturkritiker Klaus Kastberger, die Slawistin Miranda Jakiša, der serbische Autor Marco Dinic und der Außenpolitik-Experte für Südosteuropa, Wolfgang Petritsch.
Untertitel16:9


Nachmittag
 


Abend