Dokumentation, Frankreich, 2023
Regie: Anna Hints
Musik: Eeter - Edvard Egilsson - Marja-Liisa Plats
Kamera: Ants TammikTrue

Im Südosten Estlands treffen sich Frauen aus den umliegenden Orten in einer Rauchsauna mitten im schneebedeckten Wald. In dem dunklen Raum, der nur schwach vom Feuer im offenen Ofen erleuchtet ist, sitzt eine neben der anderen, Junge neben Alten. Der intime Rahmen ermöglicht es den Frauen, über Dinge zu sprechen, die sie sonst für sich behalten. Eine Frau erzählt davon, wie sie sich als Lesbe geoutet hat und welcher Hass ihr entgegenschlug. Eine andere, ältere Frau, weiss, dass ihre Eltern sie nicht wollten. Immer wieder wird auch geschwiegen und nach einer Weile werden die Berichte noch intimer. Die Erfahrungen der Frauen kreisen um Beziehungen, Geburt, Tinder, aber auch um Missbrauch, Vergewaltigung und immer wieder um die omnipräsente Frauenfeindlichkeit in einer patriarchalen Gesellschaft. Während sieben Jahren hat die estnische Filmemacherin Anna Hints an dem Dokumentarfilm Smoke Sauna Sisterhood gearbeitet. Hints Setting ist in vieler Hinsicht aussergewöhnlich: In der freien Natur steht eine Hütte, eine sogenannte Rauchsauna. In Estland sei der Besuch einer solchen Rauchsauna mit Ritualen verbunden, sagte Hints in einem Interview zum Film, in der Hitze auszuharren diene dazu, sich seelisch zu reinigen. Der Rauch in der Rauchsauna wird nebenbei auch ganz profan dazu gebraucht, um Fleisch zu räuchern. Die Gespräche, welche die Frauen im Film - es waren bis zu 25 während der Dreharbeiten - führen, halten sich nicht an ein Drehbuch, die Protagonistinnen erzählten aus eigenem Antrieb. Smoke Sauna Sisterhood wurde am renommierten Sundance Film Festival uraufgeführt und wurde danach an zahlreichen Festivals gezeigt. Anna Hints gewann mit dem Film den Preis für den Besten ausländischen Dokumentarfilm am Sundance und konnte im gleichen Jahr den Europäischen Filmpreis für den Besten Dokumentarfilm entgegennehmen. SRF zeigt den Film als Free-TV-Premiere im Original mit Untertiteln.