Spielfilm, Schweiz 2009
Regie: Christoph Schaub
Autor: Martin Suter
Musik: Balz BachmannTrue

An ihrem 50. Geburtstag macht Giulia eine verblüffende Entdeckung: Sie ist für ihre Umgebung auf einmal unsichtbar. Kurz entschlossen lässt sie die Gäste ihrer Geburtstagsfeier warten und flaniert durch die Stadt, wobei sie ihre Mitmenschen unbemerkt beobachten kann. Allein ein charmanter älterer Herr scheint sie wahrzunehmen. Mit ihm verbringt sie den Rest des Abends in einer Bar. Die Geburtstagsgäste vertreiben sich die Zeit unterdessen mit Gesprächen über die Lust und Last des Alterns. Giulia ist auf dem Weg in ein kleines Restaurant, um dort ihren 50. Geburtstag zu feiern. Aber das Schicksal hat an diesem Abend etwas anderes für sie vorgesehen. Im Bus kommt sie mit einer Seniorin ins Gespräch: Uns Alte sieht man gar nicht mehr, sagt die rüstige Frau. Tatsächlich muss die Jubilarin kurz darauf feststellen, für ihre Umwelt offenbar unsichtbar zu sein - und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Schnell gewöhnt sie sich an die neue Situation, pfeift auf ihre Feier und streunt, von allen Menschen unbemerkt, durch die Großstadt. Schließlich lernt sie den charmanten John kennen, der sie als einziger sehen kann. Mit ihm verbringt sie den Abend in einer Bar. Allerdings ist Giulia nicht die Einzige, deren Leben in dieser Nacht Kopf steht: Während die 14-jährige Jessica es nicht erträgt, dass sich ihre wohlmeinenden Eltern bemüht jugendlich aufführen, rebelliert die schlagfertige Leonie an ihrem 80. Geburtstag gegen ihr gesellschaftlich verordnetes Rollenbild. Giulias wartende Gäste, allesamt nicht mehr die Jüngsten, vertreiben sich derweil die Zeit mit spitzzüngigen Diskussionen über Brustoperationen, altersbedingte Wadenkrämpfe beim Sex und die Wirkung von Haschischkeksen. Zwar steht in Christoph Schaubs geistreicher Komödie Giulias Verschwinden die Generation 50plus im Mittelpunkt, doch geht es in dem charmanten Film generationenübergreifend um Leben und Alter. Das Drehbuch von Martin Suter kommt ohne Pathos aus, der Bestsellerautor nimmt das Thema auf entspannte Weise ernst: Seine Dialoge sind mal bissig, mal nachdenklich - aber stets wahrhaftig. So gelingt das Kunststück, ohne die schönen Seiten des Jungseins zu verleugnen, positive Attribute des Älterwerdens - etwa Erfahrung und Gelassenheit - zu würdigen. Beim Internationalen Filmfestival von Locarno wurde der Film mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Ein wunderbares Märchen, das das Altern zugleich ernst wie heiter nimmt. In der Schauspielführung inszeniert mit einer Leichtigkeit, die an die großen Komödien eines Frank Capra erinnert, wie sie sonst nur Claude Lelouche und Robert Altman beherrschen. ... Es ist einfach ein Vergnügen zuzusehen. (Rolf-Ruedinger Hamacher in Filmecho 4/10)