3sat Programm 20.05.

   
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Was läuft 20.05. im TV-Programm von 3sat?

Das 3sat Fernsehprogramm bei uns immer aktuell von der HÖRZU-Redaktion.

am Vormittag    am Nachmittag    am Abend

3sat Programm - Vormittag

 
01:50 Entdeckungen in Vorarlberg
Infosendung ~45 Min
Dokumentation, Deutschland 2017
Zwischen Alpen und Bodensee liegt eines der reichsten Bundesländer Österreichs: Vorarlberg. Von Wien aus gesehen befindet es sich am Ende der Welt - nicht vor dem Arlberg, sondern dahinter. Die Vorarlberger, die fast wie Schweizer klingen, sind es gewöhnt, auf sich selbst gestellt zu sein. Sie haben ihre eigenen Ideen. Da ist zum Beispiel der Zimmermann, der es sich in den Kopf gesetzt hat, Häuser ganz aus Massivholz zu bauen. ''Zu teuer'', sagten die einen, ''schlecht isoliert'', meinten die anderen. Er hat es trotzdem gemacht. Traditionelle Blockbauweise mit Hightech-Maschinen verarbeitet. Die ersten Bestellungen laufen. Und dann gibt es dort die Gastwirtin, die eigentlich gar keine ist. doch sie wollte einen wunderschönen Gasthof im Bregenzerwald erhalten. Ihr Trick: Sie öffnet nur sonntags. Wechselnde Köche kochen ein Menü, und wer mag, meldet sich an. Auch einer der letzten Bodenseefischer hilft sich durch eine originelle Idee: Was tun, wenn immer weniger Fische im Netz sind? Sie selbst vermarkten! Sein Bootshaus hat er zu Bistro und Laden umgebaut, die Fische filetiert er selbst. Und schon rechnet sich die tägliche Ausfahrt auf den dunklen Bodensee wieder. In Vorarlberg sitzen weltbekannte Unternehmen und erfinderische Einzelkämpfer. Die meisten von ihnen wollen nirgends sonst wohnen als im Dreiländereck zwischen Deutschland, Schweiz und Österreich.
Untertitel16:9



3sat Programm - Nachmittag

 
13:15 Auf Entdeckungsreise - durch Europa
Infosendung ~50 Min
(Unsere wilde Schweiz) Der Vanil Noir Reiseserie, Deutschland 2017 Autor: Anja Glücklich Kamera: Alexander Hein - Reiner Bauer - Steve Kfoury - Jasper Engel
Mit seiner außergewöhnlich vielfältigen Flora und der reichhaltigen Fauna formt der 2389 Meter hohe Gipfel des Vanil Noir an der Grenze zwischen den Kantonen Freiburg und Waadt das Herz eines Naturschutzgebietes. Ein Geheimtipp für Wanderer und Naturliebhaber. Mit dem Biologen Gregor Kozlowski entdecken wir seltene Pflanzenarten wie den Drachenkopf, den Alpenmohn oder den kleinsten Baum der Welt, die Krautweide. Naturschützer aber auch Almwirte kämpfen für den Erhalt der prachtvollen Bergwiesen. Der Film nimmt mit in das Tal der Schmetterlinge und an verborgene Ruheplätze der schwarzen Kreuzotter, der Vipera Berus. Gewaltige, von der Eiszeit geprägte Felsformationen prägen die Landschaft. In einer Höhle kommen wir dem Karstphänomen auf die Spur. Wildhüter Patrick Romanens nimmt uns mit auf seine Steinbocksuche. Die Population mit gut 200 Tieren hat er stets im Auge und erklimmt dafür die höchsten Lagen. Der nicht ungefährliche Aufstieg auf den Vanil Noir lohnt: ein atemberaubendes Panorama und eine nur noch selten anzutreffende Stille lassen einen die Zeit vergessen. Weit oben, wo auch die Bounets Rodzos, die Kobolde, wohnen. Sie sind es, die all die Schönheit geschaffen haben. Davon ist jedenfalls Bergführer und Legendenspezialist Cyrille Cantin überzeugt und mahnt ganz in ihrem Sinne zum Erhalt der noch intakten Natur. In dieser Reihe werden atemberaubende Bilder von Natur und Städten in Europa gezeigt. Die Reise geht z. B. durch Schottland oder Großbritannien und zeigt hier die Küsten, Grafschaften, die Highlands, die Wälder und vieles mehr. Daneben folgt die Kamera europäischen Flüssen wie der Elbe und dem Rhein, begibt sich in die Alpen und die Cevennen, hüpft von Insel zu Insel in Griechenland oder dokumentiert die natürlichen Schätze Serbiens.
16:9
14:05 Unsere wilde Schweiz
Infosendung ~50 Min
Der Aletschgletscher Reiseserie, Deutschland 2017 Autor: Michael Gregor Kamera: Alexander Hein - Reiner Bauer - Steve Kfoury - Jasper Engel
Der Aletsch ist der größte Gletscher der Alpen: ein Eisgigant von magischer Schönheit. Seine einmalige Lage begeistert besonders Forscher und Künstler. Jetzt kämpft man gegen das Abschmelzen. Der Klimawandel macht dem Gletscher gewaltig zu schaffen: Der Eispanzer schrumpft jedes Jahr rund 50 Meter in der Länge und zwölf Meter in der Höhe. Sein Verschwinden bedroht nicht nur Landwirtschaft und Tourismus, sondern die gesamte Flora und Fauna. Der Masseverlust ist so dramatisch, dass als Erklärung eine natürliche Wetterschwankung allein nicht ausreicht. Kurzfristig beschert das im Überfluss vorhandene Schmelzwasser dem Vieh auf den sich ausdehnenden Almen üppiges Futter. Viele Pionierpflanzen nehmen den vom Eis freigegebenen Lebensraum in Besitz. Doch Bergführer Dominik Nellen sieht die Heimat seiner tierischen Lieblinge rapide zusammenschmelzen: Der Gletscherfloh ist die einzige Tierart, die dauerhaft auf dem Gletscher überleben kann. Naturschützer und Wissenschaftler reagieren auf die Herausforderung: Revierförster Peter Aschilier erprobt Methoden zum Schutz des Bergwaldes bei zunehmender Trockenheit. Der Fotograf und Biologe Carsten Brügmann dokumentiert die Anpassung von Orchideen an schwierige Umweltbedingungen. Die Wildbienenspezialistin Sabrina Gurten erforscht die Verschiebung der Lebensräume bestimmter Arten in die Höhe, deutliches Indiz der Klimaveränderung im Alpenraum. Pro-Natura-Aktivist Laudo Albrecht sieht auch das Überleben der Murmeltiere am Aletsch massiv gefährdet. Förster Christian Theler errichtet regelrechte ''Totholzburgen'', um Hirschkäfern die Fortpflanzung zu erleichtern. Ihr Engagement hilft den außerordentlich vielfältigen Tier- und Pflanzenarten, den Klimawandel am Aletschgletscher zu überleben. In dieser Reihe werden atemberaubende Bilder von Natur und Städten in Europa gezeigt. Die Reise geht z. B. durch Schottland oder Großbritannien und zeigt hier die Küsten, Grafschaften, die Highlands, die Wälder und vieles mehr. Daneben folgt die Kamera europäischen Flüssen wie der Elbe und dem Rhein, begibt sich in die Alpen und die Cevennen, hüpft von Insel zu Insel in Griechenland oder dokumentiert die natürlichen Schätze Serbiens.
16:9



3sat Programm - Abend

 
21:00 Der 3satThema Talk
Show ~15 Min
Talkshow, Deutschland 2021 Gäste: Stefan Brunnhuber
Gert Scobel diskutiert mit dem Ökonomen und Psychiater Stefan Brunnhuber über globalen Kapitalismus und völlig neue Denkansätze für einen tiefgreifenden Wandel unseres Wirtschaftssystems. Die Menschheit steht unter dem Schock der Pandemie an einem historischen Scheideweg: Sollen wir weitermachen wie bisher - oder Weichen stellen für einen nachhaltigen Umbau der realen und vor allem auch der Finanzwirtschaft? Und wie könnte das aussehen? Ökologische Krise, Klimakrise, Gerechtigkeitskrise, globale Wirtschaftskrise - Corona-Krise: Für Stefan Brunnhuber steht die Weltgesellschaft als Ganze an einem historisch einzigartigen, entscheidenden Punkt. Nicht nur das Virus habe den Planeten in einen komplexen, ''asymmetrischen Schock'' versetzt, dem nicht mit den herkömmlichen linearen Lösungsansätzen beizukommen sei, sondern nur mit zirkulären, parallel geschalteten und vernetzten Strategien. Die gute Nachricht: Nie zuvor war die Welt so bereit zum Wandel, weil alle zur gleichen Zeit das gleiche Schicksal teilen: Knapp 7,8 Milliarden Menschen sind von der Pandemie betroffen. Die Menschheit weiß spätestens seit dem Weckruf durch den ''Club of Rome'', gegründet 1968, dass die Klimakrise das größte und drängendste Problem ist. Die schlechte Nachricht: Dennoch kommen wir bei der Lösung immer noch kein Stück voran. Brunnhubers Diagnose: Wir wissen, was zu tun wäre, aber es ist nicht klar, woher das Geld dafür kommen soll. Und das wichtigste Instrument, das dafür zur Verfügung stünde, unterliegt einem Tabu und kommt nicht zum Einsatz - die Investitionen und Kapitalströme der globalen Finanzsysteme. Aber nicht nur die Lenkung der Finanzwirtschaft müsste umsteuern, auch die Realwirtschaft müsste alte Denkmuster aufgeben. Freiheit des Marktes kann und darf nicht länger bedeuten, dass man die Haftung und Verantwortung für entstehende Schäden immer wieder dem Staat, der Gesellschaft und ihren schwächsten Mitgliedern aufbürdet. Wenn wir mit diesem Wissen Kapital und Ressourcen der Welt nutzen, bestünde die Chance für mehr Gerechtigkeit, größere individuelle Freiheit und eine Bewältigung aktueller und zukünftiger Krisen. Besitz ist zur wesentlichen Basis unserer Zivilisation geworden, hat Innovation und Fortschritt gefördert, Kunst und Kultur - aber auch Gewalt und Ungleichheit. Und die Kluft zwischen Arm und Reich wird wieder größer. Heute besitzt ein Prozent der Weltbevölkerung mehr als die restlichen 99 Prozent zusammen. Ist Ungleichheit der Preis für wachsenden Wohlstand und Entwicklung - oder ist eine gerechtere Welt möglich?
16:9
22:00 Der 3satThema Talk
Show ~15 Min
Talkshow, Deutschland 2021 Moderation: Gert Scobel Gäste: Stefan Brunnhuber
Gert Scobel diskutiert mit dem Ökonomen und Psychiater Stefan Brunnhuber über globalen Kapitalismus und völlig neue Denkansätze für einen tiefgreifenden Wandel unseres Wirtschaftssystems. Die Menschheit steht unter dem Schock der Pandemie an einem historischen Scheideweg: Sollen wir weitermachen wie bisher - oder Weichen stellen für einen nachhaltigen Umbau der realen und vor allem auch der Finanzwirtschaft? Und wie könnte das aussehen? Ökologische Krise, Klimakrise, Gerechtigkeitskrise, globale Wirtschaftskrise - Corona-Krise: Für Stefan Brunnhuber steht die Weltgesellschaft als Ganze an einem historisch einzigartigen, entscheidenden Punkt. Nicht nur das Virus habe den Planeten in einen komplexen, ''asymmetrischen Schock'' versetzt, dem nicht mit den herkömmlichen linearen Lösungsansätzen beizukommen sei, sondern nur mit zirkulären, parallel geschalteten und vernetzten Strategien. Die gute Nachricht: Nie zuvor war die Welt so bereit zum Wandel, weil alle zur gleichen Zeit das gleiche Schicksal teilen: Knapp 7,8 Milliarden Menschen sind von der Pandemie betroffen. Die Menschheit weiß spätestens seit dem Weckruf durch den ''Club of Rome'', gegründet 1968, dass die Klimakrise das größte und drängendste Problem ist. Die schlechte Nachricht: Dennoch kommen wir bei der Lösung immer noch kein Stück voran. Brunnhubers Diagnose: Wir wissen, was zu tun wäre, aber es ist nicht klar, woher das Geld dafür kommen soll. Und das wichtigste Instrument, das dafür zur Verfügung stünde, unterliegt einem Tabu und kommt nicht zum Einsatz - die Investitionen und Kapitalströme der globalen Finanzsysteme. Aber nicht nur die Lenkung der Finanzwirtschaft müsste umsteuern, auch die Realwirtschaft müsste alte Denkmuster aufgeben. Freiheit des Marktes kann und darf nicht länger bedeuten, dass man die Haftung und Verantwortung für entstehende Schäden immer wieder dem Staat, der Gesellschaft und ihren schwächsten Mitgliedern aufbürdet. Wenn wir mit diesem Wissen Kapital und Ressourcen der Welt nutzen, bestünde die Chance für mehr Gerechtigkeit, größere individuelle Freiheit und eine Bewältigung aktueller und zukünftiger Krisen. Besitz ist zur wesentlichen Basis unserer Zivilisation geworden, hat Innovation und Fortschritt gefördert, Kunst und Kultur - aber auch Gewalt und Ungleichheit. Und die Kluft zwischen Arm und Reich wird wieder größer. Heute besitzt ein Prozent der Weltbevölkerung mehr als die restlichen 99 Prozent zusammen. Ist Ungleichheit der Preis für wachsenden Wohlstand und Entwicklung - oder ist eine gerechtere Welt möglich?
16:9
22:15 Terra X: Wem gehört die Welt? - Eine Geschichte des Reichtums
Infosendung ~45 Min
(Terra X) Von der Macht des Marktes Dokureihe, Deutschland 2021
Wem gehört die Welt? - Eine Geschichte des Reichtums (3/3): Von der Macht des Marktes Wem gehört die Welt? - Eine Geschichte des des Reichtums (3/3): Von der Macht des Marktes In dieser Folge berichtet Dirk Steffens über den Aufstieg des Kapitalismus von seinen bescheidenen Anfängen bis zur weltumspannenden unangefochtenen Wirtschaftsordnung unserer Tage. Der Siegeszug des Kapitalismus begann in England. Zur treibenden Kraft hinter der britischen Welteroberung wurden vor allem Unternehmen, insbesondere in einer Form, die im 17. Jahrhundert entstand und bis heute die Wirtschaft beherrscht: die Aktiengesellschaft. Das Erfolgsgeheimnis der Aktiengesellschaft ist die Verteilung der Geschäftsrisiken auf viele Schultern und die Möglichkeit, Kapital für Investitionen einzusammeln. Eine Variante dieser Geschäftsidee stellen heutzutage Investmentfonds dar, wie zum Beispiel die amerikanische Firma BlackRock. Sie verwaltet ein Vermögen von über sieben Billionen Dollar. Über globale Unternehmensbeteiligungen hat sie mehr Einfluss auf die Wirtschaft als manche Regierung - ein ''heimlicher Herrscher'', wie einst die Britische Ostindien-Kompanie. Marktwirtschaft und freier Handel sind relativ moderne Ideen. Erst im ausgehenden 18. Jahrhundert kommt der Schotte Adam Smith auf den damals revolutionären Gedanken, dass nur ein freier Markt Wohlstand für viele sichern und steigern könne. Grundlage dafür ist eine natürliche, wenn auch keine besonders sympathische Veranlagung des Menschen: sein Streben nach Eigennutz. Aber wenn jeder innerhalb gesetzter Grenzen seinen Eigennutz verfolge, diene das am Ende der Gesellschaft als ganzer, so die zentrale Botschaft in Adam Smiths ''Der Wohlstand der Nationen'' (1776). Diese Idee fällt in eine Zeit, in der der Siegeszug der Dampfmaschine beginnt. In Großbritannien hält sie zunächst in der Textilindustrie Einzug, danach folgen Lokomotiven. Die Eisenbahn wird zur wichtigsten Triebkraft der Industrialisierung. Der dadurch geweckte Hunger nach Kohle und Stahl befeuert ein nie dagewesenes Wachstum von Bevölkerung, Städten und Wirtschaft. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beginnen die USA mit dem Bau transkontinentaler Bahnlinien. Mit seiner ''Central Pacific Railroad Company'' wird der für rüde Methoden bekannte Leland Stanford zu einem reichen Mann. Sein Vermögen steckt er unter anderem in die Gründung einer Universität, der Stanford University. Denn der Selfmademan weiß, dass die wichtigste aller Ressourcen die menschliche Kreativität ist und gefördert werden muss. Ein Jahrhundert später wird der Campus in Kalifornien zur Keimzelle der nächsten technologischen Revolution: Die im Umfeld der Universität angesiedelten Unternehmen wie Intel, Apple, Facebook, Google und dergleichen sind die Nachfolger der innovativen und risikobereiten Stahl- und Eisenbahngiganten früherer Zeiten. Und ihre Gründer zählen heute zu den reichsten Menschen der Welt. Auch der Hunger nach Rohstoffen hat immer schon Milliardäre hervorgebracht, wie John D. Rockefeller, der mit einem Vermögen von 350 Milliarden Dollar einer der reichsten Männer der Geschichte ist. Er verdankt seinen Reichtum dem ''schwarzen Gold''. Bis heute deckt Öl 40 Prozent des weltweiten Primärenergiebedarfs. Das soll sich in Zukunft zwar ändern, aber die alternative Elektromobilität eröffnet einen neuen Wettlauf um Rohstoffe wie etwa Kobalt, einer der wichtigsten Bestandteile von Batterien. Sein Preis hat sich binnen weniger Jahre verdreifacht. Da die größten Vorkommen im Kongo liegen, ist unter Investoren ein neuer ''Wettlauf um Afrika'' entbrannt. Der Kontinent, der jahrhundertelang von Europäern ausgebeutet wurde, ist bis heute das weltweite Schlusslicht der ökonomischen Entwicklung. Dort ist Armut - wie auch in vielen anderen Weltgegenden - eine generationenübergreifende Erfahrung. Aktuell jedenfalls verfügen die sieben führenden Wirtschaftsnationen über 90 Prozent der globalen Ressourcen, obwohl in ihnen nur zehn Prozent der Weltbevölkerung leben. Berühmtester und schärfster Kritiker der kapitalistischen Wirtschaftsordnung ist bis heute Karl Marx. Das Wissenschaftsmagazin Terra X beleuchtet vielfältige Themen aus den Bereichen Geschichte, Gesellschaft und Naturwissenschaft. Anhand von anschaulichen Berichten werden spannende Phänomene oder wichtige Ereignisse erklärt.
Untertitel16:9
23:00 Heim- und Verdingkinder - Aufarbeitung eines großen Unrechts
Infosendung ~50 Min
(DOK) Dokureihe, Schweiz 2020
Heim- und Verdingkinder - Die Aufarbeitung eines großen Unrechts Tausenden von Menschen wurde in der Schweiz im 20. Jahrhundert großes Unrecht getan. Sie wurden entrechtet, erniedrigt und missbraucht. Nach Jahrzehnten entschuldigte sich die Schweiz. Ein historischer Erfolg? Oder ein fauler Kompromiss? Was diese Menschen erlebten, prägte und zeichnete sie für ihr Leben. Was passiert ist, war lange nur bruchstückhaft bekannt. Es gab Berichte über Einzelschicksale, aber das Ausmaß kannte die Schweiz nicht. Mario Delfino erinnert sich an glückliche erste Jahre in einem Waisenhaus in Norditalien. Dann adoptierte ihn ein kinderloses Ehepaar aus dem zürcherischen Thalwil. Für den Fünfjährigen begann ein Albtraum. Seine Adoptivmutter sperrte ihn stundenlang in sein Zimmer ein, schlug ihn, erniedrigte ihn. Mit 13 wurde alles noch schlimmer. Er klaute mit zwei Freunden eine Geldkassette, erschrak über den eigenen Mut und gab alles zurück. Trotzdem waren sich Jugendanwaltschaft und Adoptivmutter schnell einig, dass der Junge wegmuss: in ein Heim für Schwererziehbare im luzernischen Knutwil, das religiös geführt war. Delfino geriet in die Hände eines pädophilen Sadisten. Mindestens 60 000 Menschen wurden in der Schweiz im 20. Jahrhundert Opfer von administrativen Versorgungen. Dazu kommen Heim- und Verdingkinder. Und Opfer von Übergriffen in kirchlichen Institutionen. Sie wurden entrechtet, erniedrigt und missbraucht. Politik, kirchliche Institutionen und Bauernvertreter wehrten sich jahrzehntelang gegen jede ernsthafte Form der historischen Aufarbeitung und wiesen eine finanzielle Wiedergutmachung weit von sich. ''Da habe ich mir geschworen, dass ich dies ändern möchte'', sagt Guido Fluri. Fluri war selbst ein Heimkind, wurde später ein erfolgreicher Unternehmer und machte sich den Kampf für ehemalige Heim- und Verdingkinder zur Lebensaufgabe. Fluri sammelte im Jahr 2014 in Rekordzeit über 100 000 Unterschriften für eine eidgenössische Volksinitiative: ''Wiedergutmachung für Verdingkinder und Opfer fürsorgerischer Zwangsmaßnahmen (Wiedergutmachungsinitiative)''. Später zog Fluri seine Initiative zugunsten eines indirekten Gegenvorschlages zurück. Das Bundesgesetz über die Aufarbeitung der fürsorgerischen Zwangsmaßnahmen und Fremdplatzierungen vor 1981 (AFZFG) entstand. Davon profitierte auch Berthy Schnegg, die fünf Jahre alt war, als sich ihre Eltern scheiden ließen. Die Geschwister wurden auseinandergerissen. Berthy Schnegg landete als Verdingkind im Berner Oberland. Misshandlung und Erniedrigung prägten ihre Jugend. Als sie in die Pubertät kam, wurde alles noch schlimmer. Einer der Söhne des Bauern war 14 Jahre älter als sie und begann, sie zu bedrängen. Eines Nachts stand er in ihrem Zimmer und ging weiter. ''Ich musste es über mich ergehen lassen'', sagt Berthy Schnegg. Die Schweiz hat dieses dunkle Kapitel ihrer Geschichte aufgearbeitet. Es gab offizielle Entschuldigungen. Und einen ''Solidaritätsbeitrag'' von 25 000 Franken pro Opfer. Ende gut, alles gut? Das finden nicht alle Betroffenen. Der Film lässt auch diejenigen zu Wort kommen, die glauben, die Aufarbeitung und die einmaligen 25 000 Franken seien kein historischer Erfolg, sondern ein fauler Kompromiss gewesen.
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