Wittelsbacher der Moderne
Dokumentation, Deutschland 2023True

Er ist ein König ohne Krone und doch ist Herzog Franz von Bayern als Familienchef der Wittelsbacher äußerst beliebt und respektiert. Diskret und klug, gleichzeitig mit einer charmanten Nonchalance, lenkt er das Geschick der Familie und verbindet 800 Jahre Tradition mit der heutigen Zeit. Die Filmemacherin Julia Benkert durfte den Wittelsbacher eine Woche lang, kurz vor seinem 90. Geburtstag, begleiten. Sie zeigt einen heiteren, ungewöhnlich nahbaren Herzog, dessen Neugier auf das Leben und die Kunst ungebrochen ist. Denn wie schon seine Vorfahren Ludwig I. und II. besitzt auch er ein untrügliches Gespür für die Avantgarde und einen Sinn für die Kunst. Noch ganz jung, in den 1950er-Jahren, nachdem er und seine Familie als bekennende Nazigegner die Inhaftierung in verschiedenen KZs überlebt hatten, beginnt für ihn der Aufbruch in eine neue Welt. Es zieht ihn nach New York, wo er die aufregende Welt der Kunst entdeckt. Die Experimentierfreude und das freie Denken der Künstler dort faszinieren ihn. Diesen Geist will er auch nach München bringen, dorthin, wo moderne Kunst unter Hitler als entartet verbannt wurde. Bald gehen die Künstler beim ihm ein und aus und er beginnt zu sammeln, intuitiv und mit großem Appetit: Baselitz, Blinky Palermo, Penk. Er mag das ruppige, unkonventionelle. Auch privat. Das offene Geheimnis, die Beziehung zu seinem langjährigen Lebensgefährten Thomas Greinwald, lüftet er selbstbewusst, gleichzeitig diskret über den Weg der Kunst, mit einem Doppelporträt von Erwin Olaf. Von Anbeginn seiner Sammelleidenschaft will er die Bilder der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen, was fehlt ist ein geeignetes Museum dafür. Ministerpräsident Stoiber macht zur Bedingung, dass zwanzig Millionen Mark privat aufgebracht werden müssen. Der Herzog lässt sich nicht beirren. Seine Begeisterung, München wieder zur Kunststadt zu machen, steckt an: In kürzester Zeit treiben er und seine Mitstreiter die Summe auf.