tag24 Programm 10.07.

   
   Was läuft beim TV Sender tag24

Was läuft 10.07. im TV-Programm von tag24?

Das tag24 Fernsehprogramm bei uns immer aktuell von der HÖRZU-Redaktion.

am Vormittag    am Nachmittag    am Abend

Programm - Vormittag

 
00:10 Der 'Schwulen-Paragraf'
Infosendung ~45 Min
Geschichte einer Verfolgung Dokumentation, Deutschland 2019 Regie: Marco Giacopuzzi
Der ''Schwulen-Paragraf''
Man nannte sie ''die 175er''. Verhaftet wurden diese Männer schon mal direkt beim Liebesspiel, nicht selten am Arbeitsplatz, oder die Polizei holte sie von zu Hause ab. Ein paar Stunden später saßen sie oft schon in Haft, die Kündigung vom Arbeitgeber ließ meist nicht lange auf sich warten. Ihr begangenes Verbrechen: einvernehmlicher Sex unter erwachsenen Männern. Damit verstießen sie gegen den Paragrafen 175. ''Die widernatürliche Unzucht, welche zwischen Personen männlichen Geschlechts'' begangen werde, sei mit Gefängnis zu bestrafen. So stand es zur Einführung des Paragrafen 1871 im Strafgesetzbuch des Deutschen Reiches. Die Nazis verschärften ihn, erhöhten die Strafen. Viele landeten im Konzentrationslager. Frei aber waren sie auch nach dem Krieg nicht. Die junge Bundesrepublik übernahm den Paragrafen 175 in seiner verschärften Form eins zu eins von den Nazis. Wer das KZ überlebt hatte, musste damit rechnen, erneut ins Gefängnis gesteckt zu werden, um die Reststrafe abzusitzen. Selbst das Bundesverfassungsgericht bestätigte 1957, dass der Paragraf 175 mit dem Grundgesetz im Einklang stehe: Männer, die mit Männern Sex hatten, wurden in der Bundesrepublik weiter verfolgt. Nach Schätzungen des Justizministeriums wurde gegen 100.000 Männer ermittelt, 64.000 hat man verurteilt. Der Paragraf hat Leben zerstört, Existenzen vernichtet.In diesem Film berichten Zeitzeugen davon. So wie der 80-jährige Hermann Landschreiber aus Gelnhausen, den die Polizei 1966 vom Postamt abgeführt hat, weil die Mutter seines Exfreundes ihn angeschwärzt hatte. Oder Günther Werner, der im katholischen Franken mit einem amerikanischen Soldaten in flagranti erwischt wurde und deshalb im Jugendarrest landete. Sie alle sprechen über ihre Verhaftung, den Knast, ihre Angst, erwischt zu werden oder erpressbar zu sein, aber auch über ihren Wunsch, trotzdem ein selbstbewusstes schwules Leben zu führen. Sie lassen uns verstehen, wie lang und beschwerlich der Weg war von der damals verbotenen Sexualität und Heimlichkeit bis hin zur Schwulenehe heute.
00:55 Schwul in Uniform - Ein Problem?
Infosendung ~30 Min
Film von Jonas Juckeland und Leon Grüninger Dokumentation, Deutschland 2021
Queer in der Bundeswehr, das war lange ein Tabu. Bis in die 1960er-Jahre galten homosexuelle Handlungen in der Truppe als Straftaten. Wer sich in den späteren Jahren outete, musste lange damit rechnen, degradiert zu werden. Inzwischen sollen Gleichbehandlungsgesetzte bei der Bundeswehr Diskriminierung unmöglich machen. Doch wie sieht die Realität queerer Menschen in Uniform heute aus? ''Exakt - Die Story'' spricht mit queeren Soldatinnen und Soldaten, die ihre Sexualität immer noch geheimhalten. ''Ich habe Angst, vor Kameraden ausgegrenzt zu werden. Ich habe Angst, ausgelacht zu werden'', sagt ein aktiver Soldat, der nicht erkannt werden will, im Interview. Auch wer offen mit seiner Homosexualität umgeht, scheint es nicht überall leicht zu haben. Ein ''Exakt''-Reporter trifft einen ehemaligen Soldaten. Hinter ihm liegen mehrere Auslandseinsätze für die Bundeswehr, u. a. in Afghanistan. Aufgrund seiner Homosexualität fühlte er sich ungerecht behandelt und in Beförderungen übergangen. Nach 13 Jahren verlässt er frustriert die Truppe. Bundesweit setzt sich der Verein ''Queer BW'' für die Interessen queerer Soldaten ein. Leutnant Sven Bähring ist der erste Vorsitzende des Vereins und besonders stolz auf einen aktuellen Erfolg gegen Homophobie bei der Bundeswehr: das im Sommer vom Bundestag beschlossene Rehabilitierungsgesetz homosexueller Soldaten. Das Gesetz sieht eine pauschalisierte Entschädigung für homosexuelle Soldaten vor, deren Karriere vor dem Jahr 2000 verhindert wurde. Ein wichtiger Schritt, meint Sven Bähring, doch das Gesetz geht ihm nicht weit genug. Kommt Homophobie unter Soldatinnen und Soldaten vermehrt vor? Professor Dr. Rolf Pohl ist Soziologe und Sozialpsychologe. Sein Schwerpunkt: Männlichkeits- und Geschlechterforschung. Beim Thema Akzeptanz seien wir längst nicht so weit, wie wir glauben, ist sich Pohl sicher. Grund sei ein Männlichkeitsbild, das auf Stärke und Weiblichkeitsabwehr fußt. Eine starke Ausprägung homophober Einstellungsmuster in Organisationen mit hoher Konzentration an Männlichkeit überrascht ihn nicht. Wohl deshalb ist auch bei der Polizei Queerness noch kein einfaches Thema. Grit Merker ist Ansprechperson für LSBTI der Polizei Sachsen-Anhalt. Auf dem Christopher Street Day in Magdeburg will sie für mehr Vertrauen in die Polizei werben. Denn viele Opfer von Hasskriminalität aus der queeren Szene scheuen sich nach wie vor, zur Polizei zu gehen. ''Exakt - Die Story'' fragt nach. Ein CSD-Teilnehmer erzählt, dass einmal Polizisten anfingen zu lachen, als er Anzeige erstatten wollte. Auch innerhalb der Behörde haben es queere Polizistinnen und Polizisten nicht immer leicht. In Mainz berichtet die LSBTI-Ansprechpartnerin Diana Gläser von Schwierigkeiten im Berufsalltag. ''Exakt - Die Story'' begleitet Betroffene, Forschende und Aktive in den Institutionen, die sich für mehr Gleichberechtigung einsetzen. Eine Spurensuche mit der Frage: Schwul in Uniform - Wie homophob sind Polizei und Bundeswehr?
01:25 Jung, schwul, gläubig
Infosendung ~30 Min
(Echtes Leben) Geht das für Christen, Juden und Muslime? Reportagereihe, Deutschland 2020 Moderation: Leo Bigger
Jung, schwul, gläubig
Vorbehalte, Ressentiments, im schlimmsten Fall Ausschluss aus der Religionsgemeinschaft: Viele junge, gläubige Schwule und Lesben machen diese Erfahrungen, wenn sie sich outen. Wie vereinbaren homosexuelle Christen, Juden und Muslime in Deutschland Glaube und sexuelle Ausrichtung in oft repressiven und konservativen Religionsgemeinschaften? Wie kämpfen sie für Anerkennung und Gleichberechtigung, und haben sie Erfolg damit? Der Film erzählt die Geschichte von drei jungen Menschen, die sich entschieden haben, Glauben und Homosexualität nicht mehr als Widerspruch hinzunehmen. Alle drei sind Mitbegründer von Selbsthilfegruppen, die Betroffenen ein Sicherheitsnetz geben wollen. Die Reportage ''Jung, schwul, gläubig - Geht das für Christen, Juden und Muslime?'' zeigt deren Kampf um Akzeptanz. Leo Schapiro ist Mitbegründer von ''Keshet''. Keshet ist Hebräisch und heißt Regenbogen. ''Keshet'' ist der erste queere jüdische Verein in Deutschland. ''Wir möchten gemeinsam dafür sorgen'', sagt Leo, ''dass offen queeres Leben und auch queere Familien in den jüdischen Gemeinden selbstverständlich werden.'' Tugay Sarac kämpft für die Rechte queerer Muslime - und wird deshalb bedroht. Tugay, schwul und gläubig, ist einer der paar wenigen deutschen Muslime, die öffentlich zu beidem stehen. Timo Platte ist Grafikdesigner in Wuppertal. Die kleine, fromme Freikirche, in der er aufwuchs, war seine ganze Welt. Doch seine Homosexualität war dort Tabu. Als er sich entschloss auszubrechen, fand er in der Organisation ''Zwischenraum'' Gleichgesinnte. Mit deren Unterstützung entstand sein Buch ''Nicht mehr schweigen''.
06:02 Zerreißprobe Ukrainekrieg
Infosendung ~48 Min
(DokThema) Russlanddeutsche zwischen allen Stühlen Dokureihe, Deutschland 2022
Zerreißprobe Ukrainekrieg
Seit dem 24. Februar 2022 geht ein Riss durch die russlanddeutsche Community. Beispiel Würzburg Heuchelhof, ein Stadtteil, in dem viele Russlanddeutsche wohnen: Hier wurde eine Kirche mit fünf teils riesigen ''Z''-Symbolen beschmiert. Ein Schock - und zugleich ein Weckruf. Engagierte Bewohnerinnen und Bewohner wollen sich nun verstärkt für den Frieden in ihrem Viertel einsetzen. Der Heuchelhof in Würzburg steht seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine unter großem Druck. Im Viertel leben Migrantinnen und Migranten aus ganz unterschiedlichen Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Allen gemeinsam ist: Sie sind gegen den Krieg. Doch viele fühlen sich auch ihrem Herkunftsland verpflichtet. Das führt zu Verunsicherung und Spannungen. Wie kann die Nachbarschaft trotzdem gelingen? Denis Bartuschkin gehört zu denen, die deeskalieren wollen: Er stammt aus Kasachstan und trainiert mit Kindern. Er will ihnen durch Sport ein positives Selbstbild vermitteln. Sein Credo: Wir waren immer Nachbarn - und sind es auch in Zukunft! In Nürnberg leben im Stadtteil Langwasser viele Russlanddeutsche. Hier engagiert sich die Historikerin und evangelische Seelsorgerin Sabine Arnold. Auch sie beobachtet eine Zunahme an Ängsten und Konflikten durch den Ukrainekrieg, die teils bis tief in die einzelnen Familien reichen. Die größte Herausforderung: Putins Propaganda in den sozialen Netzwerken und den prorussischen Medien, deren spaltende Wirkung sich auch in Deutschland entfaltet. Zusammenhalten statt sich spalten lassen, dafür will Julia Steba, die sowohl kasachische als auch ukrainische als auch deutsche Wurzeln hat, ein Zeichen setzen. Sie unterstützt Frauen, die mit ihren Kindern aus dem Kriegsgebiet in der Ukraine nach Deutschland geflüchtet sind. Und fühlt sich dabei an ihre eigene Familiengeschichte erinnert. Eine Geschichte der Vertreibung und Deportation - wie bei so vielen Aussiedlerinnen und Aussiedlern aus der ehemaligen Sowjetunion. Die Filmautorinnen Kathrin Denk und Ulrike Lefherz begleiten Protagonistinnen und Protagonisten ganz unterschiedlicher Herkunft von Ende März 2022 an bis zum 9. Mai, dem Tag des Siegs über Hitler-Deutschland.
11:15 Kleinbauern und Agrargenossen
Infosendung ~45 Min
Geschichten der ostdeutschen Landwirtschaft Dokumentation, Deutschland 2017 Regie: Matthias Hoferichter
Kleinbauern und Agrargenossen
Schon seit Jahren zieht die Bundesregierung eine ausgesprochen positive Bilanz, wenn es um die Landwirtschaft in Ostdeutschland geht. Die Entwicklung auf dem Land zähle zu den Erfolgsgeschichten der Wiedervereinigung. Seit 1990 sei die Produktivität stetig gestiegen, es gäbe eine deutliche Zunahme der landwirtschaftlichen Leistungen.Auch auf den Zukunftsmärkten für nachwachsende Rohstoffe oder ökologisch erzeugte Lebensmittel besetzen die neuen Bundesländer Spitzenpositionen. Das klingt gut - und hat viel zu tun mit der Geschichte der ostdeutschen Bauern: mit der Bodenreform, der Kollektivierung, den agrarindustriellen Entwicklungen in der DDR und mit der Wiedervereinigung. Die großen Genossenschaften bestimmen bis heute das Bild der ostdeutschen Landwirtschaft.Kurz nach dem 2. Weltkrieg wurden auf Geheiß der sowjetischen Besatzer alle Großgrundbesitzer enteignet, die mehr als 100 Hektar Ackerfläche besaßen. Verteilt wurde das Land überwiegend an ''Neubauern'', an Landarbeiter und Flüchtlinge. Wenige Jahre später, in den 1950er-Jahren, forcierte man in der jungen DDR die Kollektivierung der Landwirtschaft nach sowjetischem Vorbild. Seitdem bestimmten LPGen und VEGs, in denen die Ackerflächen gemeinschaftlich bewirtschaftet wurden, die ostdeutsche Landwirtschaft. Im Unterschied zu den volkseigenen DDR-Industriebetrieben blieben Grund und Boden jedoch in den Händen der einstigen Einzelbauern.Mit der Wiedervereinigung hatten die Bauern dank der sogenannten Landwirtschaftsanpassungsgesetze die Wahl: Entweder als Einzelbauern neu zu starten oder sich gemeinsam in einer Agrargenossenschaft zu organisieren. Heute prägen große, wirtschaftlich erfolgreiche, umweltverträglich arbeitende Betriebe den Agrarbereich im Osten Deutschlands. Die Landwirtschaft in den neuen Bundesländern ist heute der einzige Wirtschaftssektor, der bessere Ergebnisse erzielt als in den alten Bundesländern.Doch diese Erfolgsstory hat auch ihre Schattenseiten. So fielen mehr als Dreiviertel aller Arbeitsplätze in der ostdeutschen Landwirtschaft seit 1990 weg, mancherorts verfallen Dörfer, der Druck auf die Bauern steigt bei fallenden Marktpreisen für Milch, Vieh und Getreide.Gleichzeitig bemächtigen sich Großinvestoren immer größerer Flächen für gigantische Agraranlagen oder sie spekulieren mit Grund und Boden. Zunehmend prägen auch Monokulturen zur Bioenergiegewinnung die Landschaften in den neuen Bundesländern.Die Dokumentation erzählt die Geschichte der ostdeutschen Landwirtschaft aus der Sicht ihrer Akteure. Was war wichtig im Leben der Bauern? Was hat sie geprägt, welchen Herausforderungen, Wendepunkten, entscheidenden Konflikten und Problemen mussten sie sich stellen? Was hat ihr Leben bereichert, schöner oder schwieriger gemacht vor dem Hintergrund des zeitgeschichtlichen Wandels und gesellschaftlicher Umbrüche auf dem Lande?



Programm - Nachmittag

 



tag24 Programm heute Abend 20:15 uhr


Programm - Abend

 
20:15 Kleinbauern und Agrargenossen
Infosendung ~45 Min
Geschichten der ostdeutschen Landwirtschaft Dokumentation, Deutschland 2017 Regie: Matthias Hoferichter
Kleinbauern und Agrargenossen
Schon seit Jahren zieht die Bundesregierung eine ausgesprochen positive Bilanz, wenn es um die Landwirtschaft in Ostdeutschland geht. Die Entwicklung auf dem Land zähle zu den Erfolgsgeschichten der Wiedervereinigung. Seit 1990 sei die Produktivität stetig gestiegen, es gäbe eine deutliche Zunahme der landwirtschaftlichen Leistungen.Auch auf den Zukunftsmärkten für nachwachsende Rohstoffe oder ökologisch erzeugte Lebensmittel besetzen die neuen Bundesländer Spitzenpositionen. Das klingt gut - und hat viel zu tun mit der Geschichte der ostdeutschen Bauern: mit der Bodenreform, der Kollektivierung, den agrarindustriellen Entwicklungen in der DDR und mit der Wiedervereinigung. Die großen Genossenschaften bestimmen bis heute das Bild der ostdeutschen Landwirtschaft.Kurz nach dem 2. Weltkrieg wurden auf Geheiß der sowjetischen Besatzer alle Großgrundbesitzer enteignet, die mehr als 100 Hektar Ackerfläche besaßen. Verteilt wurde das Land überwiegend an ''Neubauern'', an Landarbeiter und Flüchtlinge. Wenige Jahre später, in den 1950er-Jahren, forcierte man in der jungen DDR die Kollektivierung der Landwirtschaft nach sowjetischem Vorbild. Seitdem bestimmten LPGen und VEGs, in denen die Ackerflächen gemeinschaftlich bewirtschaftet wurden, die ostdeutsche Landwirtschaft. Im Unterschied zu den volkseigenen DDR-Industriebetrieben blieben Grund und Boden jedoch in den Händen der einstigen Einzelbauern.Mit der Wiedervereinigung hatten die Bauern dank der sogenannten Landwirtschaftsanpassungsgesetze die Wahl: Entweder als Einzelbauern neu zu starten oder sich gemeinsam in einer Agrargenossenschaft zu organisieren. Heute prägen große, wirtschaftlich erfolgreiche, umweltverträglich arbeitende Betriebe den Agrarbereich im Osten Deutschlands. Die Landwirtschaft in den neuen Bundesländern ist heute der einzige Wirtschaftssektor, der bessere Ergebnisse erzielt als in den alten Bundesländern.Doch diese Erfolgsstory hat auch ihre Schattenseiten. So fielen mehr als Dreiviertel aller Arbeitsplätze in der ostdeutschen Landwirtschaft seit 1990 weg, mancherorts verfallen Dörfer, der Druck auf die Bauern steigt bei fallenden Marktpreisen für Milch, Vieh und Getreide.Gleichzeitig bemächtigen sich Großinvestoren immer größerer Flächen für gigantische Agraranlagen oder sie spekulieren mit Grund und Boden. Zunehmend prägen auch Monokulturen zur Bioenergiegewinnung die Landschaften in den neuen Bundesländern.Die Dokumentation erzählt die Geschichte der ostdeutschen Landwirtschaft aus der Sicht ihrer Akteure. Was war wichtig im Leben der Bauern? Was hat sie geprägt, welchen Herausforderungen, Wendepunkten, entscheidenden Konflikten und Problemen mussten sie sich stellen? Was hat ihr Leben bereichert, schöner oder schwieriger gemacht vor dem Hintergrund des zeitgeschichtlichen Wandels und gesellschaftlicher Umbrüche auf dem Lande?
21:02 Der LPG-Skandal
Infosendung ~43 Min
Bauern kämpfen um ihr Recht Dokumentation, Deutschland 2016 Regie: Jan N. Lorenzen - Lutz Hofmann
Der LPG-Skandal
''Die haben geklaut, und zwar Millionen'', meint ein Rechtsanwalt aus Bautzen. ''Die'' - das sind die Großbetriebe, die nach 1990 das Vermögen der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften übernommen haben und bis heute den Agrarmarkt im Osten Deutschlands dominieren. Seit Jahren prozessiert der Anwalt im Auftrag eines Mandanten gegen einen dieser Betriebe, einen ''Vorzeigebetrieb'' aus Sachsen. Jetzt hat er ein höchstrichterliches Urteil erstritten: Das Vermögen der ortsansässigen LPG, so heiße es in dem Urteil, ''ist nicht rechtswirksam'' auf den neuen Betrieb übertragen worden. Im Klartext heißt das: Der Betrieb wirtschaftet seit Jahrzehnten auf Land, das ihm gar nicht gehört! Das ist kein Einzelfall: Auf einer Liste, die seit Jahren von den Landwirtschaftsministerien der betroffenen Bundesländer unter Verschluss gehalten wird, finden sich über Hundert Betriebe, bei deren Umwandlung von einer LPG in ein marktwirtschaftliches Unternehmen nach 1989 so gravierende juristische Fehler gemacht wurden, dass die neuen Betriebe eigentlich gar nicht existieren dürften: Bilanzen wurden manipuliert, Vermögen verschoben und Entscheidungen über die Köpfe der LPG-Mitglieder hinweg getroffen. Zusammengestellt wurde die Liste von dem Rechtswissenschaftler Walter Bayer aus Jena. Aus Gründen des Datenschutzes wurde ihm die Veröffentlichung aber untersagt. Die Politik schütze die Interessen der agrarischen Großbetriebe, vermutet Bayer. De facto sei es so zu einer gewaltigen Umverteilung des Vermögens zu Lasten der Kleinbauern und ehemaligen LPG-Mitgliedern gekommen. In monatelanger investigativer Arbeit haben die Film-Autoren Jan Lorenzen und Lutz Hofmann betroffene Bauern ausfindig gemacht, Hintergründe recherchiert, Bilanzen geprüft und Politiker befragt. Oftmals sind sie auf eine Mauer des Schweigens gestoßen: Registergerichte lassen die Einsicht in ihre Unterlagen nicht zu, die Geschäftsführer der neuentstandenen Betriebe verweigern das Gespräch. Politiker behaupten, nicht zuständig zu sein. ''Der LPG-Skandal'' ist ein Film über vertuschtes Unrecht, bei dem die Zeit für die agrarischen Großbetriebe arbeitet. ''Wir Juristen haben auch das Institut der sogenannten Verwirkung,'', erklärt Prof. Bayer mit Bedauern: ''Irgendwann ist so viel Zeit vergangen und es hat sich auch keiner drum gekümmert, dass dann gesagt wird: Jetzt ist die Sache mal beendet.''