Folgesendung
23:05
110min
Das Kaninchen bin ich
Politfilm, DDR, Deutschland 1965 Regie: Kurt Maetzig Autor: Manfred Bieler Musik: Reiner Bredemeyer - Gerhard Rosenfeld Kamera: Erich Gusko

Ost-Berlin nach dem Mauerbau. Die kesse 19-jährige Kellnerin Maria findet bei dem viel älteren Paul Deister ihre erste wirklich große Liebe. Doch dann erfährt sie, dass Paul der Richter ihres Bruders war, der ihn wegen 'staatsgefährdender Hetze' zu drei Jahren Zuchthaus verurteilte. Sie versucht beides voneinander zu trennen, doch je mehr sie Paul kennen lernt, desto weniger gelingt es. Zum 75. Geburtstag von Wolfgang Winkler am 2.3. (7/7) Die elternlose Maria Morzeck (Angelika Waller) lebt bei ihrer Tante Hete (Ilse Voigt) und arbeitet als Kellnerin im 'Bayrisch-Zell'. Eigentlich wollte sie Slawistik studieren und Dolmetscherin werden. Doch weil ihr Bruder Dieter (Wolfgang Winkler) wegen 'staatsgefährdender Hetze' zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, ließ man sie nicht zum Studium zu. Durch puren Zufall lernt Maria Paul Deister (Alfred Müller) kennen, ihre erste große Liebe. Als sich herausstellt, dass er der Richter ihres Bruders war, versucht sie, diese Liebe nicht mit Dieters Fall zu belasten. Doch je näher sie Paul kennen lernt, desto mehr Fragen drängen sich ihr auf. Sie merkt, dass er Menschen ebenso wie Gesetze nur für seine Karriere benutzt. Sie schreit ihm ihre Verachtung ins Gesicht und verlässt ihn enttäuscht. Als der vorzeitig entlassene Bruder von dem Verhältnis erfährt, schlägt er seine Schwester zusammen. Maria zieht aus der gemeinsamen Wohnung aus und ist entschlossen, um ihren Studienplatz zu kämpfen. Kurt Maetzig, einer der renommiertesten DEFA-Regisseure, glaubte nach dem Bau der Mauer, dass man kritischer mit dem DDR-Alltag im Film umgehen könne. Er wolle etwas 'vom Lebensgefühl der jungen Generation vermitteln und zwar ohne Schablone und ins Bild gesetztes Wunschdenken', erklärte er während der Dreharbeiten. Doch er hätte gewarnt sein müssen - schon die literarische Vorlage, ein Roman von Manfred Bieler, durfte nicht erscheinen, auch Maetzigs Film wurde verboten. Dies geschah im Zusammenhang mit dem 11. Plenum des ZK der SED im Dezember 1965, wo Walter Ulbricht alle ihm nicht genehmen Gegenwartsfilme als 'Kaninchenfilme' beschimpfte. Der Film erlebte erst im November 1989 seine Kinopremiere - und das Publikum war erstaunt ob des entlarvenden Humors, mit dem die klarsichtige Gesellschaftskritik vermittelt wurde. Auch die ausgezeichneten Darstellerleistungen überzeugten, unter ihnen Wolfgang Winkler, der am 2. März 75 Jahre alt wird - das MDR FERNSEHEN gratuliert. Der gebürtige Görlitzer absolviert eine Ausbildung als Lokführer, bevor er an der Deutschen Hochschule für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg studiert. 'Das Kaninchen bin ich' ist sein Leinwanddebüt. Mit zahlreichen Fernsehrollen wird der Schauspieler einem breiten Publikum bekannt. Von 1996 bis 2013 ermittelt er erfolgreich an der Seite von Jaecki Schwarz als Hauptkommissar Herbert Schneider in der Krimireihe 'Polizeiruf 110' des MDR. Seit 2015 spielt er eine Hauptrolle in der Serie 'Rentnercops'. Daneben wirkt er immer wieder in Fernsehfilmen mit, steht auf der Theaterbühne und geht gemeinsam mit seinem Freund und Kollegen Jaecki Schwarz auf Lesetour. Vorlage: Nach seinem Roman 'Maria Morzeck oder Das Kaninchen bin ich' Maria Morzeck: Angelika Waller Paul Deister: Alfred Müller Tante Hete: Ilse Voigt Dieter Morzeck: Wolfgang Winkler Der Bürgermeister: Helmut Schellhardt Gabriele Deister: Irma Münch Grambow: Rudolf Ulrich Edith Grambow: Annemarie Esper Herbert Wolf: Hans Hardt-Hardtloff Major Helmrich: Christoph Engel Kellner Oskar: Willi Narloch Polizist im Gerichtssaal: Walter Lendrich Schuldirektor: Walter Jupé Vorsitzender des Gerichts: Peter Borgelt

Angelika Waller ("Maria Morzeck") - Alfred Müller ("Paul Deister") - Ilse Voigt ("Marias Tante") - Wolfgang Winkler ("Dieter") - Irma Münch ("Gabriele Deister") - Rudolf Ulrich ("Grambow") - Willi Narloch ("Kellner Oskar") - Willi Schrade ("Ulli") - Hans Klering ("Älterer Strafgefangener") - Else Wolz ("Frau eines Strafgefangenen") - Hans Hardt Hardtloff ("Vorsitzender der Fischereigenossenschaft") - Christoph Engel ("Major Hellmich") - Walter Lendrich ("Kleiner Wachtmeister im Gericht") - Walter Jupé ("Schuldirektor") - Peter Borgelt ("Richter") - Dieter Wien ("Staatsanwalt Hoppe")
23:55
45min
Kebekus feiert Jürgen von der Lippe
Show, Deutschland 2017 Moderation: Carolin Kebekus Gäste: Jürgen von der Lippe - Dieter Nuhr - Kai Pflaume - Florian Silbereisen - Michael Kessler - Guido Cantz - Iris Berben - Helmut Schleich - Pierre M. Krause

In dieser 45-minütigen Unterhaltungsreihe feiert Carolin Kebekus Jürgen von der Lippe. Dabei steht vor allem die spezielle persönliche Beziehung und Verbindung des Laudators des Künstlers im Vordergrund: Was macht diesen so einzigartig? Welche persönlichen Begegnungen, Erlebnisse und Verbindungen gibt es? Was bewundert man besonders, was schätzt man gerade an ihr oder ihm und wie wurde das eigene Schaffen, der eigene Humor geprägt? Die Sendung ist nicht nur ein hoch unterhaltsamer Bilderbogen über große Humor- und Unterhaltungskünstler von heute und gestern, sondern zeigen auch den Menschen dahinter, quasi eine Hommage an das Wirken und Leben eines Künstlers anhand von Filmausschnitten, Auftritten und spannendem wie lustigem Archivmaterial. Wir greifen also tief in die Schatzkisten der ARD-Archive, präsentieren Comedy-Klassiker, Comedy- und Kabarett-Highlights und seltene Comedy-Perlen des zu krönenden Humoristen und Künstlers. 'Ich feiere Jürgen von Lippe, weil er einer der größten, wenn nicht der größte Komiker dieses Landes ist!' Das sagt die preisgekrönte Comedienne und Ausnahmekünstlerin Carolin Kebekus über den Entertainer Jürgen von der Lippe, den sie als großartigen Komiker und Kollegen bewundert und feiert. In 'Kebekus feiert Jürgen von der Lippe' taucht sie für 45 Minuten in die Archive des Humors ein, lacht, kommentiert und präsentiert die großartigsten und witzigsten Ausschnitte aus dem Lebenswerk ihres Kollegen. Schon als Kind guckte Carolin Kebekus 'Geld oder Liebe' gemeinsam mit der Oma auf dem Sofa, natürlich ohne die Erwachsenenwitze zu verstehen. Parallelen gibt es viele zu Jürgen von der Lippe, der für sie ein wenig Lehrmeister und auch ein wenig Freund ist: Beide wuchsen katholisch auf, beide entschieden sich aber dann später mehr als dagegen. Von der Lippe: 'Ich pubertiere mit der schützenden Hand der Kirche am Genital'. Für beide ist das Thema Religion und Kirche ein großes Thema in ihrem Humorverständnis und auf der Bühne. Auch hier schaut sich Carolin Kebekus viel von Jürgen von der Lippe ab: Sie bewundert seine Präsenz, sein Gefühl für Timing, seine Art, in der ihm 'Pointen fast zufliegen, zu ihm kommen', für Kebekus einzigartig. Nicht fehlen darf in Carolins Hommage natürlich das Thema Sex! 'Alles unter der Gürtellinie, alles was in der Hose passiert, ist lustig', sagt sie. 'Das geht Jürgen genauso, das ist unser Band, das uns zusammenhält. Auch wenn wir ja eigentlich beide nicht so fürs Grobe sind.' Kebekus über von der Lippe: 'Man muss ordentlich einen an der Klatsche haben, und das hat er zum Glück!', um auf die Idee zu kommen, einen Sketch über das Liebesleben der Blauwale auf die Bühne zu bringen. Carolin Kebekus schwelgt in Erinnerungen über Jürgens 'Blumenmann' als eine der schönsten Sachen, die sie je gesehen hat, 'in ihrer Jugend beim Pflanzenkonsum mit Freunden auf Partys' wie auch heute stocknüchtern. Überhaupt bewundert und teilt sie von der Lippes Leidenschaft für Musik. So sehr, dass sie sogar ein wenig eifersüchtig wird, dass er 'Heißer Sand' auch mit anderen Frauen gesungen hat ... Und wir erfahren auch, warum sogar die Balinesen bis heute 'Guten Morgen liebe Sorgen' singen. Fasziniert ist Carolin Kebekus auch von der Bildung Jürgen von der Lippes, er hat ihrer Meinung nach 'das größte Latinum der Welt', da er alles auf Latein zitieren kann. In seiner Bildung sieht sie das gesunde Gegengewicht zur ihm oft unterstellten Zotigkeit. Und nicht fehlen darf natürlich Jürgens Modegeschmack: Der ist für Kebekus einfach grottoid, da gibt es für sie keine Ausreden, da können auch die bunten 80er nichts dafür. Ob Carolin Kebekus in seinen Hemden besser aussieht? Sehen Sie selbst bei 'Kebekus feiert Jürgen von der Lippe'.

22:25
100min
Eine Armlänge Welt
(The World at Arm's Length) Dokumentation, Deutschland 2018 Autor: Susanne Bohlmann Musik: Paul Rabiger Kamera: Anna Baranowski - Lars Filthaut

Der taubblinde Sven will den 800 Kilometer langen Jakobsweg nach Santiago de Compostela meistern. Doch die Reise birgt Gefahren jenseits des körperlichen Handicaps. Sven Fiedler hat das Usher-Syndrom, eine Krankheit, bei der Hör- und Sehvermögen langsam schwinden und er immer mehr von seiner Umwelt isoliert wird. 2017 bricht er mit einem Team von Assistentinnen auf, begleitet von der Filmemacherin Susanne Bohlmann. Zwei Jahre lang plante Sven seine große Reise akribisch. Doch was zunächst als Heldenreise beginnt, entwickelt sich zu einer Tour de Force für alle Beteiligten. Sven bekommt Probleme mit den Knien, vor allem aber fühlt er sich von seinen Taubblindenassistentinnen (TBAs) im Stich gelassen. Ein Abbruch der Reise ist für ihn aber unvorstellbar. Schritt für Schritt bewältigen Sven und seine sich abwechselnden Helferinnen die 800 Kilometer lange Strecke durch Frankreich und Spanien. Längst zählen nicht mehr das gemeinsame Unterwegssein, sondern das bloße Vorankommen und der Kampf gegen einen fatalen Vertrauensverlust auf beiden Seiten. Manch verzweifelte Assistentin fährt mit dem Gefühl des Versagens und der absoluten Hilflosigkeit nach Hause. Sven wird erst wieder zu Hause in seinem kleinen Reich in Rottweil zu Ruhe und Ausgeglichenheit finden und über seinen Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung reflektieren, den er sich in der Wirklichkeit der Reise trotz aller Unterstützung nicht erfüllen konnte. Susanne Bohlmann hatte mit der Reisegruppe verabredet, den Beginn und das Ende der Wanderung zu dokumentieren. Als sich jedoch gegen Ende des ersten Drehblocks die Konflikte zwischen Sven und seinen TBAs abzeichneten, entschied Bohlmann zu bleiben und ohne ihr Filmteam die Reise zu dokumentieren. Langsam verstand sie Svens Frustration und warum seine Begleiterinnen, die ihn zum Teil schon lange kannten, nicht mehr zu ihm durchdrangen, sondern er sich von ihnen verraten fühlte. Durch die Begleitung der Reise und des Konflikts gelingt Bohlmann, das Wesentliche der Situation Svens zu erfassen: seine Einsamkeit in einer von optischen und akustischen Reizen abgeschlossenen Innenwelt und die Gründe dafür, nicht genug vertrauen zu können. Susanne Bohlmann wurde 1978 in Osnabrück geboren und gründete 2004 nach einem Schauspiel- und Journalistik-Studium zwei Produktionsfirmen in Köln. Sie hat in zahlreichen Fiktion- und Doku-Produktionen sowohl Drehbuch, Regie als auch Schnitt übernommen. In 'Eine Armlänge Welt' führt sie stellenweise auch die Kamera. 2018 konnte sie ebenfalls ihren ersten Feature-Dokumentarfilm 'Pink Elephants' - über die Arbeit eines Schauspiel-Coaches aus Hollywood - in die Kinos bringen.

22:45
90min
Was machen Frauen morgens um halb vier?
Komödie, Deutschland 2012 Regie: Matthias Kiefersauer Autor: Martina Brand Musik: Rainer Bartesch Kamera: Thomas Etzold

Über Franzi Schwanthaler stürzt der Himmel ein. Der alleinerziehenden Mutter und Bäckerin in einem bayerischen Dorf werden von der Filiale einer international operierenden Backkette mit Dumping-Preisen die Kunden weggeschnappt. Ihr Vater, der Bäcker Josef Schwanthaler, erleidet vor Kummer einen Herzinfarkt. Das wiederum ruft auch die ältere Schwester Carmen auf den Plan, die aus Berlin in ihr Heimatdorf zurückkehrt. Natürlich weiß sie grundsätzlich alles besser und verteilt gute Ratschläge. Soll sich Franzi wirklich eine neue Existenzgrundlage in der Großstadt suchen und ihren Vater im Stich lassen mit der Konkurrenz im Nacken und erdrückenden Bankschulden? Nein. So schnell gibt sie nicht auf. Aus der Not entwickelt sie eine abenteuerliche Idee und versucht, sich gegen die Konkurrenz mit deren eigenen Mitteln zu wehren. 'Globalisierung' ist das Zauberwort. Franzi: Brigitte Hobmeier Carmen: Muriel Baumeister Toni: Thomas Unger Josef: Peter Lerchbaumer Marie: Emma Preisendanz Emil Gabler: Gerd Lohmeyer Margot Kirchner: Johanna Bittenbinder Sonja Bierbichler: Julia Eder Martin Baum: Peter Mitterrutzner Stationsarzt: Oliver Scheffel Seppi Meyer: Sebastian Edtbauer Maxl Schönborn: David Zimmerschied Fred Fischer: Felix Hellmann

Brigitte Hobmeier ("Franzi") - Muriel Baumeister ("Carmen") - Thomas Unger ("Toni") - Peter Lerchbaumer ("Josef") - Emma Preisendanz ("Marie") - Gerd Lohmeyer ("Emil Gabler") - Johanna Bittenbinder ("Margot Kirchner") - Julia Eder ("Sonja Bierbichler") - Peter Mitterrutzner ("Martin Baum") - Felix Hellmann ("Fred Fischer") - Samir Fuchs ("Dolmetscher") - Daniel Montoya ("Manola Gonzalez") - Otana Mirza ("Samir Amin") - Katharina Schwägerl ("Krankenschwester") - Oliver Scheffel ("Stationsarzt") - Sebastian Edtbauer ("Seppi Meyer") - David Zimmerschied ("Maxl Schönborn") - Alexander Liegl ("Sicherheitsassistent") - Ercan Karacayli ("Sohn des Scheichs") - Martin Walch ("Gustl Steinheimer")
23:50
90min
Furusato
Wunde Heimat Dokumentation, Deutschland, USA 2016 Regie: Thorsten Trimpop Musik: Benedikt Schiefer

Warum leben Menschen in einer Gegend, über die sie wissen, dass von ihr eine unsichtbare tödliche Gefahr ausgeht? Dieser Frage spürt der Filmemacher Thorsten Trimpop in seinem preisgekrönten Dokumentarfilm nach. In Japan hat Heimat eine tiefe Bedeutung. Die Landschaft, in die man geboren wird, trägt der Mensch ein Leben lang in sich. Sie prägt ihn, sie ist ihm heilig: sie ist sein 'Furusato'. So fühlen sich die verbliebenen Bewohner der Gegend um Fukushima verantwortlich für ihre Heimat, die Aufrechterhaltung ihrer Traditionen, ihre Mitmenschen oder Tiere. Menschen wie der Aktivist Bansho, die junge Pferdezüchterin Miwa oder die ältere Frau Noda - sie alle bleiben in der Heimat, mit zum Teil bereits spürbaren Folgen für ihre Gesundheit. Wobei nicht alle von ihnen diese Entscheidung freiwillig treffen. Entschädigungszahlungen für ihre unbewohnbaren Häuser haben nur wenige erhalten, andere haben keinerlei Hilfen bekommen. Sie können es sich schlicht nicht leisten, zu gehen. Wie auch den Schulkindern, die im Chor 'Ich liebe Fukushima, ich gehe hier nicht weg' singen, bleibt ihnen keine andere Wahl, als in der verstrahlten Heimat zu bleiben. 'Furusato - Wunde Heimat' beginnt da, wo die gewöhnliche Berichterstattung in den Medien aufgehört hat, und zeigt, wie es den Menschen in den verstrahlten Gebieten in den ersten Jahren nach der Katastrophe geht. Wie lebt es sich an einem Ort, dem jede Zukunft genommen wurde? Gibt es Hilfe und verlässliche Informationen von Regierungsseite? Wer kann sich einen Neuanfang außerhalb der verstrahlten Heimat leisten, und wer ist dazu überhaupt bereit? Wie geht man mit der allgegenwärtigen Gefahr für die Gesundheit um?

23:30
45min
Ein Foto erzählt Geschichte
Hitlergruß und nasse Hose Dokumentation, Deutschland 2018

Die Reihe 'Ein Foto erzählt Geschichte' geht unvergesslichen, historischen Momenten nach, für immer festgehalten von einer Kamera. Fotos, die im kollektiven Gedächtnis bleiben, die symbolisch für ihre Zeit stehen. Wie die Aufnahme eines Mannes wenige Jahre nach dem Mauerfall, der weltweit zur Verkörperung des 'hässlichen Deutschen' wird. Rostock, August 1992: Hunderte Randalierer, Neonazis und Schaulustige versammeln sich vor einer Aufnahmestelle für Asylbewerber im Stadtteil Lichtenhagen. Auch der Hamburger Fotograf Martin Langer ist im Auftrag des Nachrichtenmagazins 'Der Spiegel' in Rostock. Drei Tage lang dokumentiert er die Ausschreitungen, bis er das Foto schießt, das zum internationalen Symbol der Randale wird: Ein betrunkener Mann im Deutschlandtrikot mit deutlich sichtbaren Flecken im Schritt seiner Jogginghose macht den Hitlergruß. Wochenlang haben sich die Anwohner über die Zustände in und um die restlos überfüllte Aufnahmestelle beschwert, jetzt schlägt die Wut in Hass und Gewalt um. Die Aufnahmestelle wird nach drei Tagen Randale evakuiert, doch die Ausschreitungen gehen weiter. Der Hass richtet sich nun gegen ein Wohnheim von vietnamesischen Bewohnern. Plötzlich werden die Polizeieinheiten abgezogen, und die rund 100 Bewohner sind der Meute schutzlos ausgeliefert. Molotowcocktails fliegen, Wohnungen brennen aus. 'Ein Foto erzählt Geschichte' rekonstruiert die Entstehung des berühmten Fotos innerhalb der dramatischen Ereignisse in Rostock mit zum Teil bisher unveröffentlichten Fotos von Martin Langer.